Grabenlose Rohrsanierung: Inliner-Verfahren, Ablauf & Kosten

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Ein Rohrbruch oder Riss in der Abwasserleitung unter der Bodenplatte bedeutete früher eine monatelange Grossbaustelle: Fliesen wurden aufgestemmt, Betonböden aufgespitzt und Vorgärten umgegraben. Dank moderner grabenloser Kanalsanierung (Inliner-Technik) lassen sich defekte Leitungen heute von innen heraus dauerhaft reparieren – geräuscharm, sauber und meist innerhalb eines einzigen Tages.

Das Prinzip der grabenlosen Sanierung (Inliner / CIPP)

Das Verfahren «Cured-in-Place-Pipe» (CIPP) nutzt das bestehende, beschädigte Rohr als verlorene Schalung. Ein flexibler Textil- oder Glasfaserschlauch (Liner) wird im Werk mit hochwertigem Epoxid- oder Vinylesterharz getränkt. Über einen Revisionsschacht oder eine Reinigungsöffnung wird der Schlauch per Druckluft oder Wassersäule in die Leitung invertiert (eingestülpt). Das Harz passt sich Unebenheiten und Bögen nahtlos an und härtet unter Warmwasser, Dampf oder UV-Licht zu einem neuen, absolut dichten Rohr aus.

Kurzliner vs. Schlauchliner: Wann welches Verfahren passt

Fachbetriebe wählen die Sanierungsmethode nach dem Schadensbild der Kanal-Kamera: 1. Kurzliner (Partielle Sanierung): Bei lokalen Einzelschäden (z.B. ein punktueller Haarriss, Wurzeleinwuchs an einer Muffe oder eine Scherbe) wird eine harzgetränkte Glasfasermatte auf einem aufblasbaren Packer exakt an die Schadstelle geschoben und verpresst (Länge ca. 0.5 bis 1.5 Meter). 2. Schlauchliner (Ganzlinersanierung): Bei durchgehend porösen, korrodierten Leitungen oder mehreren Schäden wird die gesamte Leitung von Schacht zu Schacht (10 bis 30 Meter) fugenlos ausgekleidet.

Kostenvergleich: Grabenlos vs. offene Bauweise in der Schweiz

Wirtschaftlicher Vergleich für eine typische EFH-Grundleitung (ca. 15 Meter Länge, Schweizer Kostenübersichten, Stand 2026): • Grabenlose Inliner-Sanierung komplett: CHF 4'500 bis 8'500 (inkl. Vorfräsen, Kanal-TV und Abnahme) • Kurzliner Einzelsanierung: CHF 950 bis 1'800 pro Schadstelle • Offene Aufgrabung: CHF 14'000 bis 25'000+ (Bodenplatte aufspitzen, Aushub, neue Rohre verlegen, Betonieren, Unterlagsboden, neue Plättli oder Gartenwiederherstellung) Die grabenlose Sanierung spart somit 40 bis 65 % der Gesamtkosten und vermeidet tagelangen Bauschmutz.

Haltbarkeit und Richtlinien nach VSA und SIA 190

In der Schweiz müssen Sanierungssysteme den Richtlinien des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) und der Norm SIA 190 (Kanalisationen) entsprechen. Zertifizierte Epoxidharz-Liner verfügen über eine nachgewiesene Nutzungsdauer von über 50 Jahren. Sie sind säurebeständig, chemikalienresistent und besitzen hervorragende hydraulische Eigenschaften: Da die Innenwand spiegelglatt ist, fliesst das Abwasser trotz minimaler Querschnittsverengung (ca. 3 bis 5 mm Wandstärke) schneller ab als im Altrohr.

Häufig gestellte Fragen

Können auch Fallstränge im Haus per Inliner saniert werden?

Ja, sogenannte Hausanschluss- und Fallstrangliner können vertikal vom Dach oder aus dem Dachgeschoss bis in den Keller eingebracht werden, ohne dass Badezimmerwände aufgerissen werden müssen.

Wie werden abzweigende Rohre nach dem Linereinbau wieder geöffnet?

Ein ferngesteuerter Roboter mit hochauflösender Kamera fährt in das neu ausgehärtete Rohr und schneidet die verdeckten Einläufe von Toiletten und Waschbecken millimetergenau frei.

Verringert der Inliner den Rohrdurchmesser zu stark?

Die Wandstärke des Liners beträgt lediglich 3 bis 6 mm. Die minimale Verengung wird durch die extrem glatte Oberfläche des Kunstharzes mehr als kompensiert – die Fliessgeschwindigkeit steigt sogar.

Funktioniert das Verfahren auch bei Rohren mit 90-Grad-Bögen?

Ja, moderne Bogenliner sind hochdehnbar und durchfahren selbst 90-Grad-Bögen faltenfrei und ohne Querschnittsverengung.

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